2021 – Christoph Badelt


// Aktuelle ökosoziale Herausforderungen //

Die wichtigste Zukunftsaufgabe moderner Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ist es, im Dreieck zwischen wirt­schaftlichen, sozialen und ökologischen Zielen einen ver­nünftigen Ausgleich zu finden, der dazu führt, den Wohl­stand in unserer Gesellschaft (und auch inter­national) zu vermehren, gerecht zu verteilen und diesen durch Um­setzung des Prinzips der Nachhaltigkeit auch für kom­mende Generationen zu sichern. Ein solcher Kompro­miss wird bei einer Umsetzung der Social Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen ausdrücklich ange­strebt. Die Gleichwertigkeit der drei Dimensionen wird aber in der alltäglichen Politik noch selten erreicht.
Die Coronakrise birgt zwar nicht das Potential einer funda­mentalen Veränderung unseres Wirtschaftssystems, hat aber Einsichten vermittelt, die bei einer Neuformulierung der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik beachtet werden sollten. Zunächst strafte die durch Corona ausgelöste Rezession all jene Fanatiker Lügen, die glaubten, mit einer Re­duktion des Wirtschaftswachstums seien schon die wichtigsten sozioökonomischen oder ökologischen Ziele erreicht. Denn die sozialen und auch wirtschaftlichen Folgen dieser Rezession sind nicht nur fatal für die Be­trof­fenen, sondern zeigen auch, dass eine unreflektierte Reduktion des Bruttoinlandsprodukts sicher keine wün­schens­werte Situation bewirkt (z.B. in eine Welt ohne Kultur­ereignisse, dafür mit vielen Arbeitslosen). Es kommt daher nicht darauf an, dass wir wachsen, sondern wie wir wachsen. Es muss gelingen, das zu erreichen, was als „qualitatives und inklusives“ Wachstum zu bezeichnen ist. Es geht darum, Anreize zu setzen, dass Produkte und Dienst­leistungen vermehrt hergestellt werden, die die Umwelt nicht über Gebühr belasten und trotzdem wohl­standsfördernd sind (Beispiele: Bildung, Pflege, umweltschonende Produktionstechnologien). Und es geht darum, vor allem Menschen bzw. Gruppen, die sozial benachteiligt sind, an den Früchten dieses Wachstums zu beteiligen – sei es innerhalb Österreichs oder auch im internationalen Ausgleich des Wohlstands.


Über Christoph Badelt

Volkswirt und emeritierter Universitätsprofessor für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, von 2002 bis 2015 auch dortiger Rektor. Ehem. Vorsitzender der Österreichischen Uni­versitätenkonferenz. 2016 bis 2021 Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Seit 2021 Präsident des Fiskalrates. [Foto: © WIFO Eric Krügl]