2016 – Thema A – Peter Bußjäger


Vielfalt kreiert Innovation

Was zeichnet Österreich im internationalen Vergleich aus? Mir fällt als erster Gedanke „schönes Österreich“ ein. Der zweite Gedanke ist dann „kleines Österreich“. Und der dritte „vielfältiges Österreich“. Der These, wonach Öster­reich klein, schön und vielfältig ist, kann man die empi­ri­sche Evidenz wohl nicht absprechen.

Mit dem ersten Element, der Kleinheit, tut sich Öster­reich auch nahezu 100 Jahre nach dem traumatischen Ende des Ersten Weltkrieges schwer. Das Land leidet noch immer unter einem Kleinstaatenkomplex: Wie oft ist zu hören, dass Österreich zu klein für dieses oder jenes ist. Dabei sind gerade Kleinstaaten innovativ und ideenreich (andere würden vielleicht sexy sagen).

Mit dem zweiten Element, dem Schönen, tut man sich weniger schwer. Seine Existenz wird als selbstverständlich hingenommen. Dass es auch gilt, das Schöne zu erhalten, scheint weniger selbstverständlich. Wer die trotz einiger lobenswerter Ausnahmen noch immer häufig anzu­tref­fende, anbiedernde Hotelarchitektur in öster­reichischen Touris­mus­orten kennt, fragt sich, ob die Touristen wirklich das schöne und nicht nur das scheinbare Österreich suchen.

Zum dritten Element: Die neun Länder Österreichs unter­scheiden sich trotz ihrer Kleinräumigkeit nicht nur in den Färbungen ihres Dialektes oder ihren Land­schafts­formen, sondern auch den Mentalitäten, den geo­grafischen Aus­richtungen, den Wirtschaftsstrukturen oder der bau­lichen Gestaltung. Es ist die Vielfalt, die Österreich nicht nur aus­zeichnet, sondern die den Kleinstaat auch stark macht: Nur die Vielfalt kreiert Innovationen, nicht die Einfalt.

Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • Das kleine Österreich muss sich von seinem Klein­staaten­kom­plex befreien.
  • Das schöne Österreich soll sich nicht anbiedern.
  • Das vielfältige Österreich soll seine Diversität besser würdi­gen.

Peter Bußjäger

Über Peter Bußjäger

Universitätsprofessor für Staatsrecht am Institut für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre der Universität Innsbruck. Außerdem Leiter des Instituts für Föderalismus und Mitglied des Staatsgerichtshofes des Fürstentums Liechtenstein. Forschungsschwerpunkte: Föderalismus im europäischen Mehrebenensystem und im nationalen Kontext sowie Verwaltungsreform. [Foto: © fotostanger.com]