2016 – Thema D – Matthias Karmasin


Österreich braucht bessere Wissenschaftskommunikation!

Dass Wissenschaft und Forschung die Grundlage des gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Fortschrittes dar­stellen und gerade in einem Land wie Österreich be­son­ders wichtig wären, gehört zum Standardrepertoire der (wissenschafts-)politischen Rede. Es ist nichts Neues. Dass die real- und budgetpolitischen Prioritäten ganz anders aussehen und die Dotationen weit hinter den selbst­­ge­steckten (z.B. in Prozent des BIP gemessenen) und noch weiter hinter denen von ExpertInnen geforderten Zielen zurück­bleiben, auch. Dies mag unter anderem daran liegen, dass Wissenschaft im Allgemeinen und Grund­lagen­forschung im Besonderen in der österreichischen Be­völke­rung wenig geschätzt werden. Dies zeigt die Empirie deutlich.

Ist der Weg zu gesteigerter Akzeptanz (und damit zu mehr Mitteln) und zu differenzierteren Studierenden­strömen bes­sere Wissen­schaftskommunikation? Wenn man da­runter nicht lediglich Wissenschafts-PR (die die Popu­lari­sierung und den Nützlichkeitsaspekt im Fokus hat) versteht, sondern die in der Schule beginnende und die Lebens­­welt begleitende, dialogische und partizipative Aus­einander­setzung mit Wissenschaft meint, ja.

Die Mediatisierung der Gesellschaft, der Struktur­wandel der Öffentlichkeit und eine (über-)komplexe, wider­sprüch­liche und als riskant erlebte soziale Welt fordern auch die Wissenschaftskommunikation heraus. Kurz gesagt bestünde eine angemessene Reaktion nicht in der Demo­krati­sierung von Wissenschaft, sondern in der Demo­krati­sierung der Kommunikation von und über Wissen­schaft und die kommunikative Einbettung von Wissen­schaft in gesell­schaftliche Zusammenhänge. Es geht dabei um die öffentliche Thematisierung grundlegender Fragen durch die Wissenschaft und die Einbindung ihres Problem­lösungs­potenzials in den gesellschaftlichen Diskurs.

Der Weg von einem „Public Understanding of Science“ zu einem „Public Engagement with Science“ ist schwierig – aber der einzige, der Wissenschaft den Platz in unserer Gesellschaft geben kann, der ihr zukommt: einen zentralen.


Matthias Karmasin

Über Matthias Karmasin

Studien der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Philosophie und Betriebswirtschaft, Habilitation für Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Direktor des Institutes für Vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen-Adria-Universität. [Foto: © Elsner (riccio.]