2018 – Matthias Karmasin


Die Mediatisierung der Gesellschaft und die Verantwortung von Maschinen

Schlagworte wie Digitalisierung, Konvergenz, Mediatisierung und Wandel der Mediennutzung (mit Folgen wie Personalisierung und Fragmentierung der Öffentlichkeit) umreißen eine tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft. In diesen Prozessen der Veränderungen spielen Maschinen im Sinne von Algorithmen, Kommunikationsrobotern (Chatbots, Socialbots), ubiquitäre Vernetzungen von Maschinen in Form des Internets der Dinge und automatisierte Prozesse im Sinne selbstlernender Systeme eine tragende Rolle. Eine Rolle, die – das zeigt die jüngere Vergangenheit – durchaus reale politische, wirtschaftliche und soziale Konsequenzen haben kann, etwa wenn Bots (oft in Gestalt von gekauften Followern mit gefälschten Profilen) in den sozialen Netzwerken den Eindruck vermitteln, eine Stimmungslage habe sich verändert und durch die schiere Masse der Meldungen eine bestimmte Einschätzung der Lage der Dinge formen, die einen partiellen Ausschnitt für das ganze Bild halten lässt.
Für demokratische Gesellschaften – zumal für relativ kleine wie Österreich – ergeben sich daraus mannigfache Herausforderungen, die viele Bereiche von der Bildungs-, Wirtschafts-, Demokratie- und Kulturpolitik bis zur Standortpolitik und Sozialpolitik umfassen. Es geht exemplarisch um Fragen der Ordnung des gesamten medialen Marktes und seiner Rahmenbedingungen wie umfassende Selbstkontrolle (etwa auch im PR- und Werbebereich), das Verhältnis des kommerziellen und nichtkommerziellen Bereichs, Leistungsschutzrechte, die Förderung von Media Literacy, Medienkompetenz und digitaler Resilienz vom Kindergarten bis zum LLL, Standortentwicklung und Infrastrukturausbau, Innovationsförderung, Aspekte der Digital Divide (auch im Hinblick auf die Problematik „filter bubbles“), Fragen nach der rechtlichen Stellung von Maschinen und AI und der Zurechnung von Verantwortung zu den Betreibern von Plattformen. Um nur einige zu nennen. Da diese Prozesse – auch wenn sie technisch induziert sind und ökonomisch verstärkt werden – nicht „naturgesetzlich“ ablaufen, können sie von Entscheidungen, die wir heute treffen, beeinflusst werden. Wenn wir sie denn treffen.


Matthias Karmasin

Über Matthias Karmasin

Studien der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Philosophie und Betriebswirtschaft, Habilitation für Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Direktor des Institutes für Vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen-Adria-Universität. [Foto: © Elsner (riccio.]