2018 – Helga Kromp-Kolb


Klimawandel erzwingt Entscheidungen – Österreich am Scheideweg
Die Tonart der KlimawissenschafterInnen wird schärfer, die klimatischen Entwicklung gehen rascher und heftiger vor sich als erhofft. Und doch handelt es sich – aus Gründen, die im Wissenschafts-system immanent sind – immer noch um understatements. Die Wirklichkeit könnte noch viel dramatischer sein und Katastrophen uns viel schneller und häufiger erreichen.
Vor allem wird aber offenbar noch immer nicht verstanden, dass Klimawandel nicht auf Temperaturerhöhungen und Niederschlagskapriolen beschränkt ist. Die Zusammenhänge zwischen Klimawandel – Dürre im Mittelmeerraum – Krieg in Syrien – Migration und politischem Rechtsruck in ganz Europa liegen auf der Hand. Nichts an dieser Entwicklung ist zwingend und unabänderlich, an jedem Punkt geht es um politische Entscheidungen. Welche Rolle will Österreich im Ringen der Völker um Klimaschutz spielen? Wie können wir, von den Erfordernissen des Klimawandels ausgehend, wenigstens für unser Land positive Verläufe in Gang setzen? Fossilfreie, aktive Mobilität etwa schafft gesündere Städte, gesündere Menschen, mehr Raum für Begegnung, bessere Sozialkontakte, sicherere Städte, Kostensenkungen für die öffentliche Hand und mehr Lebensqualität für alle. Ähnliches ist bei der Ernährung, der Gesundheit, im Handel usw. möglich. Längst liegen Studien zu Co-Benefits des Klimaschutzes am Tisch. Die Untersuchungen zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele 2030 zeigen, dass gerade die gemeinsame Verfolgung der unterschiedlichen Ziele deren Erreichung erst möglich macht. Worauf warten wir noch? Selbst der Bund Deutscher Ingenieure befindet, dass minus 80 Prozent fossile Energien selbst im Alleingang Deutschlands ohne negative Effekte auf die Gesamtwirtschaft möglich wären. Nicht-Handeln ist eine Entscheidung für Unsicherheit und Ängste, ist die Aufbereitung des politischen Feldes für Populisten und Demagogen aller Art. Hingegen wäre eine partizipative, rasche Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und der nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich eine Chance für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie, zu gesunden.


Helga Kromp-Kolb

Über Helga Kromp-Kolb

Em. Universitätsprofessorin, Leiterin des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien (Schwerpunkt gesellschaftliche Transformation, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Paradigmenwechsel in der Wissenschaft). Mitglied wissenschaftlicher Beratungsgremien und u.a. engagiert für das Climate Change Center, die Allianz Nachhaltige Universitäten und den österr. Sachstandsbericht Klimawandel. [Foto: © Wolfgang Gaggl]