2018 – Friedrich Faulhammer


Weiterbildung als Schlüssel

Digitalisierung, Automatisierung, Migration, eine alternde Gesellschaft sowie exponentiell beschleunigte Veränderungszyklen im globalen Wettbewerb stellen Gesellschaft und Politik vor große Herausforderungen und machen dabei insbesondere deutlich, dass das aktuelle Bildungssystem nur unzureichende Antworten auf die eklatanten strukturellen Änderungen und Umwälzungen bietet.

Vorherrschendes Verständnis von Bildung nicht kompatibel mit Herausforderungen
Das Verständnis zur Höherqualifizierung der Individuen und die wesentlichen Eckpfeiler des aktuellen Bildungssystems der Gesellschaft sind nicht kompatibel mit den genannten Herausforderungen unserer Zeit: Konkret greift die weit verbreitete Festlegung auf einen Bildungsabschluss als wesentlichste Komponente zur Berufsvorbereitung und beruflichen Qualifizierung zu kurz und mutet nahezu anachronistisch an in Anbetracht der sich schnell ändernden Rahmenbedingungen von Wirtschaft und Gesellschaft.

Weiterbildung als sicherstellende Antwort

Weiterbildung bzw. die ständige Bereitschaft der Menschen zur eigenen Weiterbildung zählt zu den wenigen sicherstellenden Antworten auf die genannten Herausforderungen für entwickelte Industrienationen.
Dies zeigt sich bei der Sicherung und Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit im globalen Wettbewerb, Digitalisierung, der immer größer werdenden individuell notwendigen Veränderungsbereitschaft bei Migration sowie sozialen Durchlässigkeit, nicht zu zuletzt bei der Herausforderung der Alterung sowie der demokratischen Stabilität.

Ungenütztes Potenzial

Auf den Punkt gebracht ist die wissenschaftliche Weiterbildung ein wesentliches und teilweise noch zu wenig beachtetes und genütztes Instrument zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und Sicherung von Prosperität. Auch in Zahlen: Etwa 14 Prozent der Bevölkerung beteiligen sich an beruflicher Weiterbildung, aber nur ca. 0,23 Prozent – in absoluten Zahlen 20.144 Studierende – bilden sich wissenschaftlich an öffentlichen Hochschulen weiter. Gleichzeitig ist der Anteil öffentlicher Ausgaben für Weiterbildung im Vergleich zu den privaten gering (IHS; Statistik Austria, BMWFW).
Deshalb gilt es, die Rahmenbedingungen für Weiterbildung in der Republik Österreich gänzlich neu zu beleuchten. Dabei ist es wichtig, nicht nur Qualität und Bekenntnis zur wissenschaftlichen Weiterbildung auszubauen, sondern im politischen sowie gesellschaftlichen Bewusstsein geradezu neu zu verankern mit Blick auf das noch ungenützte Potenzial.


Friedrich Faulhammer

Über Friedrich Faulhammer

Jurist, ehem. tätig am Institut für Rechtsgeschichte und in der Universitätsdirektion der Universität Wien, danach im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, u.a. beteiligt an der Implementierung des Universitätsgesetzes 2002. Später Sektionschef sowie von 2009 bis 2013 Generalsekretär. Seit 2013 Rektor der Donau-Universität Krems, 2017 bis 2019 außerdem Präsident der Donau-Rektorenkonferenz. [Foto: © DUK Reischer]