2018 – Hedwig Unger


Familie als Zukunftsverantwortung der Gesellschaft
Lässt sich Zukunft ohne Kinder denken? Wer setzt sich für sie ein? Kinder tragen die Zukunft unserer Gesellschaft in sich, sie sind die Innovationspotenziale dieses Landes. Mit ihnen kommt das Neue mit Fröhlichkeit, Forschergeist und Tatendrang in die Welt. Kinder brauchen Geborgenheit, Schutz und Zuwendung – sie brauchen ihre Familie. Dort lernen sie den humanen Umgang miteinander und erfahren grundlegende Werte wie Solidarität, Verlässlichkeit und Verantwortung füreinander, die auch für das Zusammenleben in der Gesellschaft von unverzichtbarer Bedeutung sind. Die Familie verleiht Wurzeln und Identität. Hier wird Demokratie im Kleinen geübt und der Sinn für das Gemeinwohl geschult. Die vielfachen Leistungen der Familien kommen der gesamten Gesellschaft zugute. Zukunftsorientierte Politik sollte daher vor allem jene Rahmenbedingungen verbessern, die Familien in all ihrer Verschiedenheit optimal in ihrem anspruchsvollen und nicht immer so ideal ablaufenden Alltag unterstützen – materiell, ideell und organisatorisch.
Damit Ehe und Beziehung, Familie und Erziehung gelingen können, braucht es gemeinsame Zeit für Väter, Mütter und Kinder. Wie lässt sich Erwerbsarbeit noch besser rund um die (Zeit-)Bedürfnisse der Familien organisieren? Bei der Optimierung der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit besteht in meinen Augen trotz vieler Initiativen noch weiterer Verbesserungsbedarf, vor allem mental. Der elterliche Sinn für Nachhaltigkeit und Verantwortung sowie die unabdingbare Bereitschaft, mit Schwierigkeiten konstruktiv und lösungsorientiert umzugehen, ist nicht nur für die Arbeitswelt, sondern für die Gesellschaft insgesamt unverzichtbar – insbesondere für die Bewältigung der neuen, geradezu existenzbedrohenden Herausforderungen der Digitalisierung und des Klimawandels. Eine aktive Klimaschutzpolitik ist grundlegend für eine lebenswerte Zukunft für alle.
Viel stärker als bisher sollten wir das Augenmerk auf die Vereinbarkeit von Familie und die (immer länger dauernde) Ausbildung legen, denn die Vorverlegung des Zeitpunkts der Familiengründung hätte viele Vorteile. Dafür braucht es freilich in Politik und Gesellschaft ein geschlossenes, starkes Bekenntnis zu Familienfreundlichkeit, genügend materielle Anreize und Absicherung sowie die Gewissheit, dass die Kinderbetreuung flexibel, individuell und nach höchsten Qualitätskriterien organisierbar ist, wobei die Entscheidungsfreiheit der Eltern über die Gestaltung ihres Familienlebens und der Arbeitsteilung zu achten ist.
Wenn wir jungen Menschen Mut zu Kindern machen wollen, dann sollte die Wertschätzung für das Projekt Familie unsere gesamte Gesellschaft durchdringen und Richtschnur für das politische Handeln sein. Familien mit Kindern sind die Innovationszentren dieses Landes, die Kinder sein größter Schatz. Wer sie fördert, übernimmt Verantwortung für die Zukunft!


Hedwig Unger

Über Hedwig Unger

Universitätsassistentin am Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft der Universität Graz. Studien der Rechtswissenschaften, Klassischen Philologie und Romanistik. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Assistentin und Junior Researcher an den Universitäten Graz und Wien sowie verfassungsrechtliche Mitarbeiterin am Verfassungsgerichtshof Wien. Seit 2016 Geschäftsführerin des Dr.-Karl-Kummer-Instituts für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik in der Steiermark. [Foto: © Opernfoto]