2020 – Monika Sommer


// Zukunft braucht Geschichte //

Im 100. Geburtstagsjahr der österreichischen Bundesverfassung, das auch das 75. Jubiläumsjahr der Zweiten Republik ist, veränderte die Covid-19-Pandemie den Globus und somit auch Österreich massiv. Eine regelrechte Fundamentalerschütterung erfuhren der Bildungs- sowie der Kunst- und Kulturbereich, der eng mit der Tourismuswirtschaft verbunden ist. Die Krise förderte dabei mehrere Aspekte zutage: a) den Bildungshunger und das Bedürfnis nach Kunst- und Kultur in der Bevölkerung, die digitale Angebote umfassend annahm, b) die Kreativität der Branche und c) die Notwendigkeit, für die Tätigkeit der Kunst- und Kulturbetriebe zukünftig neben den BesucherInnen-Zahlen neue qualitative Erfolgsfaktoren zu definieren. Darüber hinaus zeigte sich, dass historische Vergleiche oftmals bemüht wurden, um die gesellschaftliche Ausnahmesituation besser einordnen und verstehen zu können. Die Gesellschaftswissenschaften und -museen zur Gegenwartsgeschichte haben hier eine klare Kompetenz: Sie können fachkundige Erklärungen anbieten. Trotzdem schien der Kunst- und Kulturbereich bei den Überlegungen zu den notwendigen Rettungsmaßnahmen ins Hintertreffen zu geraten. Dies darf nicht geschehen, denn Österreich genießt bislang weltweit den Ruf, eine Kunst- und Kulturnation zu sein. Diesen zu verlieren, steht auf dem Spiel. Dazu gehört auch die selbstreflexive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Gerade weil die Zeitgeschichte die Menschen bewegt, sollte die Republik reif sein, sich diesen offenen Fragen zu stellen. Den Beschluss für eine solide Zukunft des Hauses der Geschichte Österreich zu fassen, wäre ein wichtiger Ausdruck dafür.