2020 – Markus Fallenböck


// Nachhaltigkeit neu normieren //

Vor Corona haben drei Buchstaben zunehmend die Wirtschafts- und auch Investmentwelt geprägt: ESG oder Environment Social Governance. Der Begriff steht für Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und (verantwortungsvolle) Unternehmensführung. ESG beschreibt einerseits inwieweit ein Unternehmen diese Aspekte berücksichtigt, andererseits ist es auch eine Investmentstrategie, die für die Auswahl von potentiellen Unternehmen herangezogen werden kann. In Europa hat ESG durch die EU-Kommission und ihre Empfehlungen einen starken Aufschwung genommen. Und dann kam Corona.
Nach einer „Schrecksekunde“ hat die Politik dann recht schnell betont, dass die Unterstützungsmaßnahmen im Zuge der Pandemie auch ESG-Kriterien verfolgen müssen. In Österreich wurde das besonders sichtbar beim Hilfspaket für die AUA, wo mit Ticketsteuer und Transfer der Kurzstrecke auf die Bahn auch ökologische Vorgaben eingeflossen sind. Das macht Sinn, doch braucht es für die Zukunft eine strategische Neuausrichtung von Nachhaltigkeit, die auf den Namen „Corporate Resilience“ hört.
Was zunächst nur nach neudeutschem Beratersprech klingt, hat jedoch das Potential zu einem Schlüssel für das Überleben von Unternehmen in der Post-Corona-Zeit zu werden. Schon in den letzten Jahren mutierte Resilienz im Sinne der psychischen Widerstandsfähigkeit zu einem Kernthema im Personalmanagement. Corporate Resilience überträgt das Konzept auf das Unternehmen als Organisation und meint die Fähigkeit, einen Schock zu absorbieren und besser als die Konkurrenz aus der Krise hervorzugehen.
Was das mit ESG und Nachhaltigkeit zu tun hat? Um es bewusst überspitzt zu sagen: Was helfen schöne Ansprüche im Bereich Soziales und Umwelt, wenn (zu) viele Unternehmen die Krise erst gar nicht überleben. Daher braucht es beim Thema ESG eine Erweiterung, die zentrale Resilienzkriterien berücksichtigt. Im Fokus stehen hier die Eigenkapitalquote, Eigentümer- und damit Entscheidungsstrukturen, Führungskultur sowie die Robustheit des Geschäftsmodells (Komplexitätsgrad, Lieferketten, Kostenflexibilität).


Markus Fallenböck

Über Markus Fallenböck

Gesellschafter des österreichischen Fintech Own360, das einen Standortfonds digital anbietet. Davor Studium Rechtswissenschaften, verschiedene Managementfunktionen in der Medienbranche, u.a. bei VGN Medien Holding sowie Styria Media Group. Regelmäßiger Vortragender und Gastkommentator zu Themen wie Standortpolitik, Vertriebsstrategie, Kommunikationsstrategie sowie Investor Relations Kommunikation. [Foto: © Own 360]