2020 – Lukas Schinko


// Hören als unterschätzter Sinn //

In all der Menge an visuellen Eindrücken, mit der wir konfrontiert sind, sind Geräusche, Klänge und vor allem Stimmen die essentiellen Bausteine unseres täglichen Miteinanders. Ein funktionierendes Gehör ist die Basis für gelungene Kommunikation und soziale Interaktion. Obwohl er 24 Stunden pro Tag für uns im Einsatz ist, wird unser Hörsinn oft unterschätzt. In unserer immer lauter werdenden Gesellschaft steigt auch die Zahl all jener mit Hörminderung. Doch auch in einem hochentwickelten Land wie Österreich ist eine Hörminderung bis heute mit einem gewissen Stigma behaftet. Menschen warten im Schnitt bis zu zehn Jahre, bis sie sich mit Hörgeräten versorgen lassen. Und nur jeder Vierte der Betroffenen trägt Hörgeräte. Oft aus Scham. Obwohl eine unversorgte Hörminderung nicht nur die Lebensqualität einschränkt, sondern auch weitere Auswirkungen hat: Wer schlecht hört, kapselt sich ab – was wiederum Depressionen und Demenz fördern kann. Nicht umsonst belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund einer unversorgten Hörminderung in Europa laut Studien auf rund 185 Milliarden Euro pro Jahr. Auch die demografische Entwicklung stellt uns vor neue Herausforderungen – nicht nur in Österreich. In puncto Gesundheitsversorgung ist weltweit der Trend erkennbar, dass der Bereich öffentlich finanzierter Leistungen ergebnisorientierter wird. Wichtig wird es sein, unser Gesundheitssystem auch für künftige Generationen abzusichern. Und unserem Hörsinn mehr Gehör zu schenken. Weil Hören ein Grundbedürfnis ist.