2020 – Hedwig Unger


// Universitäten als Zukunftsschmieden – mehr Grundlagenforschung und mehr Praxisbezug! //

Hinaus aus dem Elfenbeinturm und hinein ins Leben – die Coronakrise führt uns die Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnis für die Lösung der Probleme der Welt und Gesellschaft deutlich vor Augen: Alle warten auf den Impfstoff und das Medikament. Die Unverzichtbarkeit von Grundlagenforschung wird damit ebenso offenbart wie die notwendige Übersetzung der Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung – und die unabdingbare Verbreitung und Resonanz wissenschaftlich erwiesener Fakten als Entscheidungsgrundlage für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.
Die Universitäten leisten hierfür einen entscheidenden Beitrag: vor allem als Stätten der Grundlagenforschung und der wissenschaftlichen Berufsvorbildung; als Reflexionsorte, wo Zukunft erdacht und aktuelles menschliches Handeln auf seine Vereinbarkeit mit dem nachhaltigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen in materieller (Stichwort Klimaschutz) und ethischer Hinsicht überprüft wird.
Wie stärken wir die Zukunftsfähigkeit und Problemlösungskapazität der Universitäten? Indem wir sie als Stätten der Grundlagenforschung ausbauen und zugleich die Praxisrelevanz ihrer Bildungsleistungen erhöhen. Dafür braucht es ein an den Kriterien der Effizienz und Verbindlichkeit ausgerichtetes Studienrecht, das Talente fördert, zu Höchstleistungen motiviert und die kreativen, wissenschaftlichen und intellektuellen Potentiale der Studierenden freilegt; kombiniert mit einer neuen, auch international auf dem Vormarsch befindlichen Anerkennungspraxis, die non-formale und informelle Lernerfahrungen transparent in den akademischen Kontext integriert. Auf diese Weise könnten etwa die unternehmerischen Erfolge von (studentischen) Entrepreneurs ebenso wie die intensiv erworbenen Sozialkompetenzen junger Familienmütter und -väter sowohl beim Hochschulzugang als auch bei der Anrechnung der für den Studienabschluss notwendigen ECTS Credits verstärkt Berücksichtigung finden und umgekehrt den Lebens- und Praxisbezug universitärer Bildung in ganzheitlicher Weise erhöhen.


Hedwig Unger

Über Hedwig Unger

PostDoc am Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft der Universität Graz. Studien der Rechtswissenschaften, Klassischen Philologie und Romanistik. Danach wissenschaftliche Mitarbeiterin, Assistentin und Junior Researcher an den Universitäten Graz und Wien sowie verfassungsrechtliche Mitarbeiterin am Verfassungsgerichtshof Wien. Geschäftsführerin des Dr.-Karl-Kummer-Instituts für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik in der Steiermark. [Foto: © OPERNFOTO]