2020 – Hannes Androsch


// Besonderer Schwerpunkt Bildungswesen //

Zum 75. Bestandsjubiläum hatte die Zweite Republik sicherlich Grund, ihre Entwicklung in diesem Zeitraum mit großer Freude zu feiern. Es war eine zu Beginn nicht vorstellbare Erfolgsgeschichte. Dies wird umso deutlicher, wenn man einen Vergleich mit den davor hergegangenen 75 Jahren anstellt. Es ist eine Erfolgsgeschichte, auch wenn wir in letzter Zeit in wichtigen Bereichen nicht mehr so recht weitergekommen sind und neue Herausforderungen wie Bewältigung der Digitalisierung, Meisterung des demografischen Wandels und Eindämmung der Klimaerwärmung, also die Notwendigkeit der Dekarbonisierung, hinzugekommen sind.
Durch den Schock der Covid-19-Pandemiekrise sind neue tiefgreifende Probleme und damit Herausforderungen sowie Aufgaben zu ihrer Lösung hinzugetreten. Dies verlangt einerseits, alles zu tun, um den Nachhol- und Aufholprozess auf den Weg zu bringen und andererseits, die Auswirkungen der Coronakrise, vor allem im Bereich des Bildungswesens und der Wirtschaft, zu überwinden sowie bestmögliche Vorkehrungen für mögliche künftige Katastrophen oder Pandemien zu treffen. Es wäre zweckmäßig, diese vielfältigen und komplexen Aufgaben in einem Gesamtkonzept entsprechend zu verbinden und zusammenzufassen.
Kurzfristig ist es notwendig, die zum Stillstand gebrachte Wirtschaft durch Liquiditätshilfen am Leben zu erhalten. Weiters ist ein entsprechendes Konjunktur- und Zukunftsprogramm erforderlich, um drohende Auftragslöcher zu vermeiden und zur Strukturverbesserung und Wettbewerbsstärkung sowie Erhöhung der Standortattraktivität beizutragen. Ein solches Programm sollte Investitionen in das Bildungswesen, in die Universitäten, in die Grundlagenforschung oder in den Ausbau der digitalen Infrastruktur umfassen.
Ein besonderer Schwerpunkt sollte endlich auf dem Bildungs- und Schulwesen liegen, um es aus der schulischen Kreidezeit in das digitale Zeitalter zu bringen. Dazu gehören ganztägige frühkindliche und elementarpädagogische Betreuung sowie autonome Ganztagsschulen. Diese müssten mit Smartboards in den Klassen, Diensttablets für die Lehrer, Clouds und Serverkapazität in den Schulen ausgestattet sein. Die Schüler müssten in kürzestmöglicher Zeit Tablets oder Laptops, E-Mail-Konten sowie ihre Elternhaushalte Internet-Anschlüsse erhalten. Somit gilt es, aus der entstandenen Not eine Tugend zu machen, indem die bestehenden Probleme als Chance verstanden werden und rasch zukunftsfähige Lösungen in die Umsetzung gebracht werden. Dafür ist es erforderlich, unnötig geschürte Ängste zu überwinden und stattdessen Zuversicht, Hoffnung und Optimismus zu schaffen.