2018 – Hannes Androsch


Miteinander auf Europa-Ebene

Österreich ist ein Binnenland im Herzen Europas. Es hat daher nur Grenzen zu seinen Nachbarn, die überwiegend auch Binnenländer sind, aber keine europäische Außengrenze. Wenn man diese Binnengrenzen befestigt, trägt dies keinen Funken zur Sicherung der Außengrenzen – vor allem auch nicht im Bereich des Mittelmeeres – bei, erschwert und schadet aber unserer Exportwirtschaft und unserem Tourismus. Eine Lösung kann daher nur im europäischen Rahmen erfolgen, wofür wir dann aber auch im Sinne der europäischen Solidarität bereit sein müssen, einen angemessenen Beitrag zu leisten. Die Errichtung von Transit-, also Haftungslagern ist dafür sicher keine Lösung, wie unsere Erfahrungen mit Schönau und Traiskirchen längst gezeigt haben. Eine Lösung wird auf Dauer nur zu erzielen sein, wenn man die Ursachen vor Ort im Nahen Osten und in Afrika beseitigt, sei es für in Not stehende Flüchtlinge oder für Migranten aus Wirtschafts- bzw. Klimagründen.
Wir brauchen Europa, um die Herausforderung des digitalen Wandels erfolgreich zu gestalten. Das reicht von der digitalen Infrastruktur – bei der wir Nachzügler sind – über digitale Bildung und Umsetzung der digitalen Möglichkeiten bis zur digitalen Besteuerung. Letztere kann sicherlich nicht im Alleingang auf nationaler Ebene gelöst werden. Dies hat schon die Erfolglosigkeit beim Versuch der Einführung einer Finanztransaktionssteuer gezeigt. Es geht nur miteinander und nicht gegeneinander. Europa braucht daher eine gemeinsame weltoffene und solidarische Zusammenarbeit sowie einen sozial-liberalen geschlossenen Zusammenhalt bei Wahrung unserer europäischen Grundwerte.


Hannes Androsch

Über Hannes Androsch

Beeideter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, ehem. Vizekanzler und Bundesminister, ehem. Generaldirektor der Creditanstalt, heute als Industrieller tätig. Initiator des Bildungsvolksbegehrens, u.a. Aufsichtsratsvorsitzender von AIT Austrian Institute of Technology und Vorsitzender des RFTE Rat für Forschung und Technologieentwicklung.[Foto: © AIC, Photo Simonis]